Unsere Heimat


 

In der Geschichte wird Bremthal im Jahre 1287 zuerst erwähnt, als Gottfried von Eppenstein einen leibeigenen Schmied, Arnold von Bremthal, in seinen Diensten hatte. Da das Dorf zu der Herrschaft Eppstein gehörte und an der Grenze nassauischer Landesteile gehörte, war es nach damaliger Sitte befestigt. Es war mit Wall und Graben umgeben, der ehedem 10 Meter tief war. Unter dem Namen "Haingraben" sind die letzten Reste noch vorhanden. Ob Bremthal eine Burg oder ein adeliges Geschlecht gehabt hat, ist nicht bestimmt erwiesen, obwohl es heute hier noch einen Burggraben, einen Prinzengarten und einen Frauengarten gibt.
Unter der Kirche soll auch noch altes Gemäuer vorhanden sein. Bertha von Bremthal, das sagenhafte Burgfräulein, von dem Ritter Eppo (Eberhard, 921 - 927) mit Hilfe eines Bremthaler Schmiedes aus der Gewalt eines Riesen befreit, ist jedenfalls in das Reich der Volksfantasie zu verweisen.
Die Wehranlagen im Süden unseres Dorfes, auf dem Weg nach Langenhain und Lorsbach, die Neuburg (nei Borg) und der Heidenkeller nach Lorsbach zu mit noch vorhandenen Überresten von Mauerwerk sind wohl als Vorwerke Eppsteins anzusehen.
Im Jahre 1433 kam Bremthal zu Gottfrieds Landesteil, da die Herrschaft Eppsteins geteilt wurde.
1437 wurden die Einwohner unserer Gemeinde "bey Schloß Eppenstein in der hohe" zur Zeit des Schultheißen Peter Gotthardt nach einer in Paris aufbewahrten, ungedruckten Urkunde, ihrer Eide, Gelübde und Treue gegen Eppstein entbunden und an das Stephansstift in Mainz als deren rechten Erbherren verwiesen.
Gerichtlich unterstand Bremthal im Jahre 1482 dem Landgerichte "Hof Häusel", wo es den von Lorsbach zu liefernden Galgen aufzustellen hatte. Außer dem Landgreichte "Hof Häusel", das als "peinliches Blut und Halsgericht" über die "schweren Verbrechen wie Mord, Einbruch, Notzucht und andere Gewalttaten" abzuurteilen hatte, war in Eppstein noch ein sogenanntes Untergericht für leichtere Vergehen. Den Gerichtshof bildete der Richter, der Schultheiß und die Schöffen. Letztere wurden vielfach aus Bremthal genommen.
Als Gottfried X. von Eppstein im Jahre 1492 große Teile seines Besitztums verkaufte, fiel auch Bremthal an den Landgrafen Wilhelm von Hessen. Die hessischen Grenzen wurden durch Steine bezeichnet, auf denen die Buchstaben H. D. (Hessen-Darmstadt) eingemeißelt waren, von denen einzelne heute noch stehen.
1581 kam Bremthal nach Kurmainz, als Kaiser Rudolf II. die Herrschaft Eppstein dorthin zu Lehen gab. In jener Zeit fand alljährlich der Flurbegang in unserer Gemeinde statt. Er ging nach dem Amstertal, dann über die Pfingstwiese zum Pfingstborn, der schon mehrere Generationen in einer selbsttätigen Wasserleitung mit ganz vorzüglichem Wasser versorgte. Zum letzten Male fand der Flurbegang im Jahre 1614 statt.
Der Dreißigjährige Krieg ging an unserer Heimat auch nicht spurlos vorüber. 1620 rückten Spanier, etwa 2000 Mann, bis nach Eppstein vor. Dann kamen Scharen des Grafen Ernst von Mansfeld und des "tollen Christian von Braunschweig" in unsere Gegend. Als letzterer 1622 bei Höchst geschlagen ward, kamen die siegreichen Truppen Tillys. 1626 durchzogen Wallensteins Scharen das Land. ZUletzt kamen die Schweden, die an Gewalttaten und Grausamkeiten alle übertrafen. Besonders schlimm hausten sie, als sie nach ihrer Niederlage bei Nördlingen 1634 von Frankfurt aus die Taunuslandschaft heimsuchten. Damals flüchteten die meisten Bewohner unserer Dörfer hinter die festen Mauern Eppsteins. Dort brach eine Hungersnot und noch dazu die Pest aus. Etwa um 1635 bis 1637 wurde das Elend unbeschreiblich. Leider sind in jener Zeit viele Urkunden und Aufzeichnungen verloren gegangen oder verbrannt worden, wenn der Besitzer an der Pest gestorben war. Nach dem Kriege waren die Ortschaften unserer Gegend stark entvölkert, einige ganz verschwunden. Um die Wohnsitze wieder zu besiedeln, wies man aus dem Fürstbistum Lüttich vertriebene Wallonen hier Wohnsitze an. Als Kohlenbrenner fanden sie in unseren Wäldern reichlich Beschäftigung. In Bremthal vorkommende Namen wie Racky und Kordey weisen auf die wallonische Abstammung hin.
Gegen Ende des nächsten Jahrhunderts sah unsere Heimat französische Truppen. Wiederholt flüchtete der damalige Pfarrer Traupel von Oberjosbach mit seinen Bremthaler Pfarrkindern in den Wellinger, einen nachbarlichen Wald. Wie er selbst berichtet, haben ihn die Franzosen völlig ausgeplündert.
Im Jahre 1803 fiel Bremthal an Nassau und mit ihm 1866 an Preußen.

Aus: Der Heimat-Bote um Rossert und Staufen, Ausgabe Nr. 37, Samstag den 10. Juni 1950
zur Verfügung gestellt vom Heimatverein Bremthal